Die Tagesschau-Sprecher Das vertraute Gesicht der Nachrichten in Deutschland
Wenn um 20 Uhr der vertraute Gong ertönt und das markante Blau des Studios aufleuchtet, wissen Millionen Menschen: Jetzt kommen die Tagesschau-Sprecher und bringen Ordnung in eine oft chaotische Welt. Sie sind mehr als nur Stimmen oder Gesichter – sie sind ein Stück deutscher Identität, ein Symbol für Verlässlichkeit und Seriosität. In diesem ausführlichen Artikel tauchen wir tief ein in die Welt der Tagesschau-Sprecher, ihre Geschichte, ihre Ausbildung, ihre Herausforderungen und warum sie auch im digitalen Zeitalter nichts von ihrer Faszination verloren haben.
Die Anfänge: Als die Tagesschau 1952 noch schwarz-weiß war
Die erste Tagesschau lief am 26. Dezember 1952 – damals noch ganze 20 Minuten lang und natürlich ohne Farbe. Der allererste Sprecher hieß Karl-Heinz Köpcke, und er prägte das Format über Jahrzehnte. Mit seiner ruhigen, fast väterlichen Art wurde er zur Institution. Interessant: Köpcke las anfangs noch von Papier ab und saß dabei – erst 1964 standen die Sprecher erstmals.
In den 1950er- und 60er-Jahren gab es nur eine Handvoll Sprecher. Neben Köpcke waren das vor allem:
- Dagmar Berghoff (ab 1969, erste Frau an der Spitze)
- Werner Veigel (der „Gute-Nacht-Sprecher“ mit der markanten Stimme)
- Jo Brauner (der „Mann mit der Brille“)
Diese Pioniere legten den Grundstein für das, was wir heute als unverwechselbaren Tagesschau-Stil kennen: sachlich, nüchtern, ohne Schnörkel.
Was macht einen guten Tagesschau-Sprecher eigentlich aus?
Es ist weit mehr als nur „gut aussehen“ und „deutlich sprechen“. Die ARD hat interne, fast schon legendäre Kriterien entwickelt. Hier ein Überblick über die wichtigsten Anforderungen:
| Kriterium | Warum es entscheidend ist |
|---|---|
| Perfekte Hochlautung | Keine regionalen Färbungen – der Zuschauer in Flensburg soll genauso verstehen wie in Garmisch |
| Hohe Belastbarkeit | Oft mehrere Sendungen am Tag, manchmal bis tief in die Nacht bei Breaking News |
| Absolute Neutralität | Keine Mimik, die Partei ergreift – selbst bei Katastrophen bleibt das Gesicht ruhig |
| Schnelle Auffassungsgabe | Texte werden oft erst Minuten vor der Sendung fertig – kalt lesen müssen sie perfekt können |
| Seriöses Erscheinungsbild | Klassische Kleidung, dezentes Make-up, keine auffälligen Accessoires |
Wer diese Kriterien erfüllt, hat trotzdem keine Garantie. Die endgültige Auswahl trifft eine interne Kommission – und die ist anspruchsvoll.
Die Ausbildung: Kein Studium, aber ein harter Weg
Anders als viele denken, gibt es keinen klassischen Studiengang „Tagesschau-Sprecher“. Die meisten kommen aus dem Journalismus oder haben eine Sprechausbildung (z. B. an der Hochschule für Musik und Theater). Danach folgt meist:
- Praktika und Volontariate bei ARD-Anstalten
- Moderation von Regionalnachrichten (z. B. bei NDR, WDR, BR)
- Interne Castings und Probeaufnahmen bei der Tagesschau-Redaktion in Hamburg
- Mehrjährige „Lehrzeit“ als Vertretung oder bei Tagesschau24
Erst wenn alles passt, darf man die Hauptsprecher der 20-Uhr-Tagesschau werden. Das kann locker 10–15 Jahre dauern.
Die bekanntesten Tagesschau-Sprecher der Gegenwart
Heute teilen sich sieben Hauptsprecher die 20-Uhr-Sendung (Stand 2025). Jeder bringt seine eigene Nuancen mit, bleibt aber dem klassischen Stil treu.
- Jens Riewa – seit 1999 dabei, der „Dienstälteste“, bekannt für seine tiefe, beruhigende Stimme
- Judith Rakers – seit 2005, beliebt für ihre natürliche Ausstrahlung und perfekte Aussprache
- Susanne Daubner – die „Stimme der Nacht“, moderiert oft die 20-Uhr-Sendung am Wochenende
- Thorsten Schröder – seit 2018, früher Sportmoderator, bringt etwas Dynamik rein
- Julia-Niharika Sen – seit 2021 die jüngste Sprecherin, steht für die neue Generation
- Constantin Schreiber – bekannt aus „Tagesthemen“, springt oft ein
- Aline Abboud – ebenfalls aus den Tagesthemen, übernimmt immer häufiger die Hauptausgabe
Jeder von ihnen hat Fans – und Kritiker. Aber eins ist klar: Sie alle werden sofort erkannt, wenn sie einkaufen gehen.
Der Alltag hinter den Kulissen: Stress pur, aber mit Lächeln
Stellen Sie sich vor: Es ist 19:45 Uhr. Die Redaktion arbeitet auf Hochtouren, weil gerade ein Erdbeben in der Türkei gemeldet wurde. Der Text für die Sprecher kommt oft erst um 19:52 Uhr – acht Minuten vor Sendung. Dann heißt:
- Schnell lesen und markieren
- Mit dem Redakteur klären, wie schwierige Namen ausgesprochen werden
- Ins Studio hetzen, schminken lassen, Krawatte richten
- Um 19:59:50 Uhr Platz nehmen – und lächeln
Und das alles, ohne dass der Zuschauer auch nur eine Sekunde Hektik spürt. Respekt!
Warum bleiben die Tagesschau-Sprecher so beliebt?
In Zeiten von Social Media, Fake News und polarisierenden Talkshows wirken die Tagesschau-Sprecher wie ein Fels in der Brandung. Studien zeigen immer wieder:
- Über 80 % der Deutschen vertrauen der Tagesschau am meisten (Infratest dimap 2024)
- Besonders in Krisen (Corona, Ukraine-Krieg, Hochwasser) steigen die Quoten enorm
- Selbst junge Leute unter 30 schalten ein, wenn es wirklich wichtig wird
Die Sprecher verkörpern Stabilität. Sie urteilen nicht, sie bewerten nicht – sie informieren. Und genau das brauchen wir offenbar.
Kritik und Vorurteile: Zu steif? Zu altmodisch?
Natürlich gibt es auch Kritik. Manche finden die Sprecher „wie aus den 70ern“, zu wenig Emotion, zu wenig Diversität. Tatsächlich sind aktuell nur zwei der sieben Hauptsprecher unter 50, und es gibt (noch) keinen Sprecher mit sichtbarem Migrationshintergrund in der 20-Uhr-Runde.
Die ARD reagiert langsam, aber sie reagiert. Mit Julia-Niharika Sen und gelegentlichen Einsätzen von Aline Abboud und Constantin Schreiber wird die Mannschaft jünger und vielfältiger. Es geht eben nicht von heute auf morgen – Qualität vor Quote.
Die Zukunft: Werden KI-Sprecher die Menschen ablösen?
Immer wieder gibt es Schlagzeilen: „KI moderiert schon Nachrichten in China – kommt das auch zur Tagesschau?“ Die Antwort der Verantwortlichen ist klar: Nein. Oder zumindest: noch sehr lange nicht.
Denn die Tagesschau-Sprecher sind mehr als nur Stimmen. Sie sind Vertrauenspersonen. Eine KI mag perfekt sprechen – aber sie hat keine Glaubwürdigkeit, keine Geschichte, kein menschliches Antlitz in Krisenzeiten. Solange Menschen Nachrichten von Menschen hören wollen, haben Jens, Judith und Co. nichts zu befürchten.
Fazit
Die Tagesschau-Sprecher sind weit mehr als Moderatoren. Sie sind Ritual, sie sind Verlässlichkeit, sie sind – ja, fast schon Familie. In einer immer schnelleren, lauteren Medienwelt bleiben sie ein ruhiger Pol. Egal ob Krieg, Klimakatastrophe oder Wahlabend – wenn sie sagen „Guten Abend, meine Damen und Herren“, atmet Deutschland kurz durch. Möge das noch sehr lange so bleiben.
Die 5 häufige Fragen (FAQs) zu den Tagesschau-Sprechern
- Wie viel verdienen Tagesschau-Sprecher eigentlich?
- Genaue Zahlen werden nicht veröffentlicht, aber Schätzungen gehen von 8.000–12.000 € brutto im Monat aus – je nach Erfahrung und Einsatzhäufigkeit.
- Dürfen Tagesschau-Sprecher privat politisch aktiv sein?
- Nein. Sie müssen parteipolitisch absolut neutral bleiben. Sogar Wahlplakate im Garten sind tabu.
- Warum tragen die Sprecher fast immer die gleiche Kleidung?
- Es gibt einen kleinen Fundus mit Anzügen, Blazer und Kleidern in gedeckten Farben. Auffällige Muster würden vom Inhalt ablenken.
- Wer war der beliebteste Tagesschau-Sprecher aller Zeiten?
- In Umfragen liegt meistens Dagmar Berghoff vorne, dicht gefolgt von Karl-Heinz Köpcke und Werner Veigel.
- Kann man sich einfach bei der Tagesschau als Sprecher bewerben?
- Nicht direkt. Man muss erst jahrelang im öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeiten und sich hochdienen. Ein „Casting“ von außen gibt es nicht.